FREITAG_27.02.2009_SEKTION I_11-13:30 UHR

03_12:30 Just do it - beute aus! Oder: Wenn der Kunstbetrieb unter linkem Deckmantel "culture jamming" gegen unabhängige Kulturproduzenten betreibt
Dr. Inke Arns, Kuratorin und Leiterin des HMKV Dortmund

Für die Ausstellung "Just do it - Die Subversion der Zeichen von Marcel Duchamp bis Prada Meinhof" (2004-05) im Linzer Lentos Museum wurde ein gleichnamiges Buch produziert, das aus - teils seitenlangen – Passagen von Texten verschiedener AutorInnen besteht, viele von ihnen freiberufliche Essayisten, darunter auch arbeitslose Akademiker. Sie wurden weder um Erlaubnis gefragt oder auch nur über das Buch informiert, noch wurden die Texte namentlich gekennzeichnet. Stattdessen schien das 22 Euro teure Buch aus einem einzigen zusammenhängenden Text zu bestehen und trug allein die Signatur des Lentos Museum sowie der drei Kuratoren der Ausstellung, Thomas Edlinger, Florian Waldvogel und Raimar Stange.

"Culture Jamming", "Appropriation" und "Subversion von Zeichen", eigentlich Strategien der Entwendung von Zeichen wie Markennamen, und Logos zwecks kritischer, künstlerischer Verfremdung, wurden von den Kuratoren zur Subversion von oben und Lizenz zur kostenlosen Selbstbedienung bei KollegInnen umgemünzt. "Just do it" wurde zum treffenden Slogan einer kunstbetriebskarrieristischen Aneignung.

Der Vortrag rekonstruiert den Fall und schildert, wie künstlerische Subversion und "linke" Strategien als Denkmantel für klassische Ausbeutung herhalten.

 1h 9min | .mp3


Dr. Inke Arns
Inke Arns, Dr. phil., seit 2005 künstlerische Leiterin des Hartware MedienKunstVerein Dortmund (www.hmkv.de). Seit Anfang der 1990er Jahre freie Kuratorin und Autorin mit den Schwerpunkten Medienkunst und -theorie, Netzkulturen, Osteuropa. Sie kuratierte und organisierte seit 1993 internationale Festivals, Konferenzen und Ausstellungen in Deutschland, Großbritannien, Hong Kong, Kosovo, Polen, Serbien, Slowenien und in der Schweiz - u.a. »The Wonderful World of irational.org«, Dortmund 2006 / Glasgow 2007 / Novi Sad 2008, »History Will Repeat Itself. Strategien des Reenactment in der zeitgenössischen (Medien-)Kunst und Performance«, Dortmund 2007 / Berlin 2007-2008 / Warschau 2008 / Hong Kong 2008 und »Anna Kournikova Deleted By Memeright Trusted System - Kunst im Zeitalter des Geistigen Eigentums«, Dortmund 2008. Sie studierte Slawistik, Osteuropastudien, Politikwissenschaften und Kunstgeschichte in Berlin und Amsterdam (1988-1996) und unterrichtete an Universitäten und Kunstakademien in Berlin, Leipzig, Rotterdam und Zürich (2000–2008). Internationale Vortrags- und Publikationstätigkeit; 2004 Promotion an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einer Dissertation zum Paradigmenwechsel der Rezeption der historischen Avantgarde und des Utopie-Begriffs in (medien-)künstlerischen Projekten der 1980er und 1990er Jahre in Ex-Jugoslawien und Russland (erschien 2006 bei Maska, Ljubljana, in slowenischer Übersetzung). Publikationen (Auswahl): Netzkulturen (2002), Neue Slowenische Kunst (2002) und Avantgarda v vzvratnem ogledalu (Die Avantgarde im Rückspiegel, Ljubljana 2006). Sie veröffentlichte zahlreiche Beiträge zur Medienkunst und Netzkultur und ist Herausgeberin zahlreicher Ausstellungskataloge. Vgl.

www.inkearns.de