Das lateinische Präfix Re-* ist im alltäglichen Umfeld stets präsent. Begriffe wie Re*tro, Re:ply, Re-*Make, Re-*Cycling, Re-*Präsentation, Re-*Aktion, Re-*Flexion, Re-*Enactment, Re-*Produktion, Re-*Konstruktion, Re-*Animation, Re-*Place, Re-*Mix, Re-*Vision, Re-*Vival, Re-*Launch, Re-*Cording, Re-*Mix…. „We are Re*Play“ sind ständige Begleiter.

Volle Archive, stete Verfügbarkeit und beständige Produktion von Informationen und Materialien und deren fortwährende Disponibilität haben ein System der zyklischen Wiederverwertung geschaffen, das auf ständiger Wiederholung und Neuschöpfung des Alten basiert.

Das Festival Re-* verbindet mit den Begriffen Recycling, Sampling und Culture Jamming drei intermediale künstlerische Strategien, deren gemeinsames Thema die Transformation von Altem in Neues ist. Zugrunde liegt diesen Techniken die gängige Praxis der kulturellen Aneignung und Wiederverwertung. Ebenso ist der Rückbezug/Verweis auf ein Original bzw. einen Vorgänger allen drei Praktiken immanent: gegebenes oder gefundenes Material wird durch Einschmelzung, Fragmentierung, Zerlegung, Wiederholung, Restrukturierung, Dekontextualisierung u.a. in einen anderen Seins- und Sinnzusammenhang transformiert. Durch die Veränderung des Ausgangsmaterials werden innovative Denkprozesse freigesetzt, bei denen mit Kontinuitäten gebrochen wird oder historische Linearitäten bewusst erzeugt werden.

Das Festival möchte die Diskussion auf künstlerische Verfahrensweisen und Prozesse lenken, die Einblicke in ästhetische Fragestellungen der Gegenwart und Zukunft gewähren und dabei die traditionell-werkbezogenen Begriffe nach ihrer theoretischen und begrifflichen Schärfe befragen. Wie können wir den Umgang mit dem Vorhandenen, dem bereits Existierenden, dem Sekundären zukünftig beschreiben?

An drei Tagen erläutern KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen die kulturelle wie auch politische Relevanz, die Komplexität und Unterschiedlichkeit der künstlerischen Strategien des Re-* und versuchen diese fachübergreifend in den wissenschaftlich-ästhetischen Diskurs einzubinden. Unter Maßgabe einer historischen Einordnung und wissenschaftlichen Differenzierung der Begriffe Culture Jamming, Recycling, Sampling und Remix soll auf aktuelle technische Vorrausetzungen eingegangen und deren Einfluss auf ästhetisch-normative Aussagen von Werken wie auf Kommunikationsformen untersucht werden. Im Zeitalter der Digitalisierung, der beständigen Produktion von Informationen und Materialien, deren stete Verfügbarkeit und Disponibilität wurden Systeme der zyklischen Wiederverwertung geschaffen, die auf ständiger Wiederholung und Neuschöpfung des Alten basieren. Diese Neuerfindungen, bestehend aus Fragmenten und Versatzstücken des Realen, lassen meist die Frage nach dem Original obsolet werden, so dass Ursprung und Auswahl des montierten Materials und deren Bedeutung für die wissenschaftliche Analyse der Werke neu geklärt werden müssen. Es liegt im Thema selbst begründet, dass das Festival Re* nur einen kleinen Teil der unendlichen Vielfalt präsentieren und diskutieren kann. Beispielsweise sind Copyright und Urheberrecht ein wichtiger Schwerpunkt, der hier nicht explizit aufgeführt wurde, jedoch in den meisten Diskussionen automatisch zur Sprache kommen wird und einer eigenen Tagung bedarf.

Das Vortragsprogramm mit den abendlichen Gesprächsforen beginnt und endet mit zwei Konzerten, die das musikalische Spektrum des Themas auffächern. Als aktuelle Position mit konzeptueller und historischer Verwurzelung im audio-visuellem Sampling wird Rechenzentrum 2.0 zusammen mit Robert Seidel ein Eröffnungskonzert geben, das mit tanzbaren Beats von Robosonic ausklingen wird. Im Abschlusskonzert werden historische Samplingstücke aus dem Bereich der Neuen Musik neu aufgeführt: Bruno Maderna, Luigi Nono, Alvin Lucier und John Cage. Ein von Sabine Himmelsbach kuratiertes Videoprogramm zeigt neue Arbeiten aus dem Bereich der Neuen Medien mit Schwerpunkt Game- und Netzkultur. Zudem steht eine Hörbar (zusammengestellt von Werner Durand und Ursula Block – Gelbe MUSIK) während des gesamten Festivals mit historischen Samplingstücken zur Verfügung. Erweitert wird diese durch eine Zusammenstellung von Beispielen aus der HipHop- und Popmusik-Geschichte durch Martin Conrads.

Um die Vielfalt der Auseinandersetzungen zu garantieren, sind folgende namhafte Wissenschaftler aus den o.g. Bereichen und internationale Künstler eingeladen, um eigene Arbeiten und Gedanken vorzustellen:

Dr. Inke Arns (D), Prof. Dr. Susanne Binas-Preisendörfer (D), Dr. Jochen Bonz (D), Martin Conrads (D), Dr. Florian Cramer (D/NL), Erik Drescher (D), Martina Fineder (A), Kerstin Fuchs (D), Prof. Dr. Rolf Großmann (D), Sabine Himmelsbach (D), Dr. Marcus S. Kleiner (D), Prof. Christina Kubisch (D), Prof. Dr. Verena Kuni (D), Prof. Dr. Helga de la Motte-Haber (D), Prof. Leigh Landy (USA/GB), Eduardo Navas (USA), Rechenzentrum 2.0 (D), ROBOSONIC (D), Dr. Dietmar Rübel (D), Prof. Dr. Sabine Sanio (D), Burkhard Schlothauer (D), David Schwertgen (D), Marc Schwieger (D), Robert Seidel (D), Dr. Änne Söll (D), Cornelia Sollfrank (D)

Wissenschaftlicher Beirat: Prof. Sabine Breitsameter, Prof. Dr. Michael Diers, Prof. Christina Kubisch, Prof. Dr. Helga de la Motte-Haber, Christian Schneegass

gefördert durch Hauptstadtkulturfonds
In Kooperation mit der Akademie der Künste

weitere Informationen unter www.recycling-sampling-jamming.de

© Re-*Organisation, Dr. Claudia Tittel und Katrin Werner

Kontakt:
Dr. Claudia Tittel und Katrin Werner in GbR, Kottbusser Damm 25/26, 10967 Berlin
Tel.: 030-722 92 867 Email: re-organisation@email.de